Zartbesaitete bekommen viel zu zittern angesichts der halsbrecherischen Kunststücke von Akrobaten wie der Gerling-Truppe, die auf dem „doppelten Todesrad“ die Schwerkraft verspottet und sich in der dinosauriergroßen Tretmühle wieder und wieder ohne Sicherung bis knapp unters Zeltdach befördern lässt, um in schwindelnder Höhe sogar das Seilhüpfen anzufangen. Kalter Angstschweiß kann dem mitfühlenden Zuschauer erst recht ausbrechen, wenn die „Helldrivers“ aus Kolumbien mit ihren Motorrädern durch eine Stahlkugel jagen. „Macht bloß keinen Fehler“, möchte man rufen – hören würde es ohnehin keiner. Aufregung und Nervenkitzel, garniert mit Zirkus-Glamour, dafür ist durch solche tollkühnen Helden der Lüfte reichlich gesorgt.

Tierdressuren mit Pferden, Kamelen, Löwen und Tigern

Erholsam dagegen die Verbiegungen und Menschen-Pyramiden der „Desert Flowers“ aus Äthiopien, die in ihrer Choreographie wie zu einem bizarren Tier-Körper verschmelzen – mal an Insekten, mal an Kraken oder Reptilien erinnernd. Preisgekrönt und anspruchsvoll ist die Lasso-Jonglage der Familie Oscar Togno. Zwischendurch treiben die Nonstop-Clowns aus Polen, eine moderne Variante des guten, alten Dick-und-Doof-Prinzips, ihre Späße mit dem Publikum. Gleich zu Beginn heizen sie die Stimmung im mollig-warmen Zelt an und brauchen dafür nicht mehr als vier leere Plastikflaschen als Requisite.Tanzende Weihnachtsmädchen in roten Glitzerkleidchen, eine strahlende Moderatorin, Musik und Lichter – der Waiblinger Weihnachtszirkus versteht sich auf die Kunst der Inszenierung.

Das Gastrozelt mit Tannenbaum, Kinder-Eisenbahn und Imbissbuden hat fast die Größe eines Weihnachtsmarkts. Schon der Weg vom Parkplatz führt durch eine Weihnachtsdeko-Landschaft und einen Lichtertunnel, an dem neben den Gästen sicher auch die Stadtwerke ihre Freude haben. Nicht jedermanns Sache sind hingegen Tierdressuren. Peta fordert ein Wildtierverbot für Zirkusse und nimmt mit seiner Kritik den Waiblinger Gemeinderat ins Visier. Im Zelt sorgt der Auftritt der majestätischen Kamele von Nino Frank für fasziniertes Raunen.

Denen, die sich den Zirkusbesuch sonst nicht leisten können oder es wegen einer Behinderung schwer haben, eine Freude zu bereiten und sie für ein paar Stunden alle Sorgen vergessen zu lassen – das ist laut Vorstandsmitglied Hartfrid Wolff die „weihnachtliche Idee“ der Lions-Aktion. Über die Salier-Gemeinschaftsschule, die Comeniusschule, Kirchen, die Nikolauspflege und andere Einrichtungen hatte der Wohltätigkeitsverein zum zweiten Mal Karten verteilen lassen. Durch die begeisterten Rückmeldungen der Besucher fühlt sich Initiator Manfred Kerler vollauf bestätigt: Viele der einkommensschwachen Familien wollten nach der Vorstellung selbst spenden - das allerdings lehnen die Gastgeber dankend ab.